Der Erste Weltkrieg endete am 11. Nov. 1918. De Laban verließ die Schweiz im November. Im Feb. 1919 gab die Libertas et Fraternitas Loge ihre Verbindungen zum O.T.O. auf und wurde eine rein Maurerische Loge. Sie erhielt später unter der Schweizer Großloge Alpina den regulären Status. Obgleich es nun in der Schweiz keine O.T.O.- Körperschaften mehr gab, verlieh Reuss einzelnen Personen weiterhin die Grade des O.T.O. Während Reuss nach wie vor auf der maurerischen Autorität des O.T.O. beharrte, entzog Crowley dem MMM zunehmend seiner freimaurerischen Grundlagen. Im Okt. 1918 nahm Crowley eine weitere tief greifende Revision der Eingangsrituale des Ordens vor, wobei er diesmal den Begriff „Maurerei“, sowie die charakteristischen Embleme, Zeichen, Griffe etc. der Johannis-Grade gänzlich fallen ließ. Er stellte Reuss diese revidierten Rituale zum ordensweiten Gebrauch zur Verfügung. Im März 1919 veröffentlichte Crowley The Equinox, Volume III, No. 1 („Blue Equinox“), und dieser Band enthielt eine Vielzahl wichtiger O.T.O. Dokumente; unter anderem diese:

Liber LII: The Manifesto of the O.T.O. (Das Manifesto des O.T.O.)

Liber CXCIV: An Intimation With Respect to the Constitution of the Order (Eine Weisung in Bezug auf die Konstitution des Ordens)

Liber CI: An Open Letter to Those Who May Wish to Join the Order (Ein offener Brief an alle, die dem Orden beizutreten wünschen)

Liber CLXI: Concerning the Law of Thelema (Über das Gesetz von Thelema)

Eine überarbeitete Fassung von Liber XV: The Gnostic Mass (Die Gnostische Messe).

Crowleys Liber LII: The Manifesto of the O.T.O. entsprach fast wörtlich seinem Manifesto des M∴M∴M∴ von 1912. Lediglich thelemische Grußformeln wurden hinzugefügt, Namen erwähnter Offiziere auf den neuesten Stand gebracht, angeführte „Guineas“ durch die entsprechenden Beträge in Dollars ersetzt, zwei Namen beitragender Organisationen wurden entfernt (der Orden der Rosenkreuzer und der Orden der Goldenen Dämmerung); die Gebührentabelle und die Photographien von Boleskine wurden herausgenommen, die Feststellung „… er [der O.T.O.] mißachtet oder verletzt nicht die gerechten Privilegien der United Grand Lodge of England“ wurde nach der Liste beitragender Organisationen eingefügt, und die oben zitierte Gegenerklärung bezüglich der Maurerei wurde wie folgt abgeändert:

Der O.T.O. ist zwar eine Academia Masonica, jedoch keine freimaurerische Körperschaft, insoweit es die ‚Geheimnisse‘ in dem Sinne anbetrifft, in welchem dieser Begriff gewöhnlich verstanden wird; und aus diesem Grunde missachtet oder verletzt er in keinster Weise die gerechten Privilegien der United Grand Lodge of England oder anderen Großloge in Amerika, die von der ersteren anerkannt wird.

Am 10. Mai 1919 stellte Reuss in Zürich Hans Rudolph Hilfiker, Dr. E. Pargaetzi, R. Merlitschek und M. Bergmaier ein Patent für die Stiftung eines Supreme Council des Schottischen Ritus von Cernau für die Schweiz aus. Am gleichen Tage stellte Reuss ein Dokument der „Freundschaftsbekundung“ (Gauge of Amity) für Matthew McBlain Thomson aus, den Begründer der vom Unglück verfolgen „American Masonic Foundation“. Das Dokument erkannte Thomson als O.T.O.-Mitglied des IX° an. Am 18. Sept. 1919 empfing Reuss durch Bricaud die Weihe und ging damit in die „Antioch-Sukzession“ ein; und auch seine Ernennung zum „Gnostischen Legat“ der Église Gnostique Universelle Bricauds für die Schweiz wurde erneuert.

Crowley kehrte im Dezember 1919 nach England zurück. 1920 veröffentlichte Reuss seine Schrift Aufbauprogramm und Leitsätze der gnostischen Neo-Christen: O.T.O. In diesem Dokument stellte Reuss seine Ideen im Hinblick auf eine (stark reglementierte) utopistische Gesellschaft vor. Die Prinzipien dieser Gesellschaft sollten auf thelemischen Vorstellungen beruhen (Das Buch des Gesetzes und Aphorismen von Meister Therion werden zitiert und erläutert); hinzu kommen traditionelleres Gedankengut aus dem Rosenkreuzertum, der Gnosis und dem Yoga, sowie die „progressiven“ sozial-politischen Ideen, die auf dem Monte Veritá vorherrschten.

© 2018 Ordo Templi Orientis Österreich